Erprobung eines Präzisionsanflugverfahrens mit Kurvenflug vom 26. Mai bis 31. August 2016

Deutsche Lufthansa AG, Deutsche Flugsicherung GmbH und Fraport AG begannen am 26. Mai 2016 am Flughafen Frankfurt die gemeinsame Erprobung neuer satellitengestützter, gekurvter Anflugverfahren. Die Testphase dauerte bis zum 31. August 2016 und hat im Rahmen des europäischen Forschungsprojekts Single European Sky Air Traffic Management Research (SESAR) stattgefunden. Ziel war es, die Vorteile von steileren und gekurvten Anflugverfahren im Nahbereich von Flughäfen nachzuweisen.

Hierbei wurden die Flugzeuge unter realen Bedingungen sehr präzise auf die beiden in Frankfurt zur Verfügung stehenden Präzisionsanflugsysteme geführt: auf das jahrelang bewährte Instrumentenlandesystem (ILS) und das neue System der Zukunft, Ground Based Augmentation System (GBAS). Damit soll das Fliegen in Kurven im Anflugbereich zukünftig noch genauer möglich sein und die Flugspurtreue der Flugzeuge weiter erhöht werden.

Die Anflugrouten für die Erprobungsphase wurden von der DFS entwickelt und in der Fluglärmkommission vorgestellt. Sie haben sich stark am Verlauf der seit Jahren bekannten und lärmarmen „Segmented Approach-Verfahren“ orientiert. Neu dabei war eine Anbindung an die Landebahn Nordwest, wo das Verfahren mit beiden möglichen Anfluggleitwinkeln 3,0 und 3,2 getestet wurde. Auf der Südpiste, wo das Verfahren auch erprobt wurde, konnte nur mit 3,0° Gleitwinkel gelandet werden.

Bei den Versuchen hat Lufthansa Flugzeuge des Typs A380, B 748 und drei nachgerüstete GBAS-fähige A319 eingesetzt.  Zusätzlich wurden die Routen an wenigen Tagen von einem Erprobungsflugzeug der Firma Honeywell abgeflogen.Frankfurt ist neben Bremen und Zürich der einzige europäische Flughafen, an dem diese neuen Verfahren im Rahmen der Erprobung geflogen wurden. Alle drei Flughäfen verfügen über das neue satellitengestützte Präzisionslandesystem GBAS.

In Frankfurt konnte die Eignung des Verfahrens in einem Umfeld hoher Verkehrsdichte untersucht werden. Die Kriterien „Flugspurtreue“ und „Lärmimmission“ wurden während der Erprobungsflüge von der DFS bzw. Fraport besonders intensiv beobachtet. Fraport hat die Anflugverfahren während der gesamten Test-Dauer mit festen und mobilen Fluglärmmessstationen überwacht.

Ungünstige Faktoren, wie häufige Gewitterwetterlagen, erschwerten die flugbetrieblichen Bedingungen und dadurch die Durchführung der Testphase. Die Zahl der Probeanflüge im Testzeitraum reichte nicht aus, um das Verfahren zuverlässig zu bewerten. Die Fraport AG hat deshalb in der 237. Sitzung der Fluglärmkommission Frankfurt am 28.09.2016 eine Verlängerung beantragt.

Mit dem Start der Erprobung neuer Verfahren durch Fraport, DFS und Lufthansa am Standort Frankfurt wurde einmal mehr die internationale Vorreiterrolle des Flughafens Frankfurt in der Forschung und bei der Weiterentwicklung des aktiven Lärmschutzes unterstrichen. Die beteiligten Partner erhoffen sich davon einen wichtigen Beitrag zu mehr Effizienz und lärmärmeren An- und Abflugverfahren.

Das Präzisionsanflugverfahren bei West- und Ostbetrieb, entworfen von der DFS für den Probebetrieb vom 26. Mai bis 31. August 2016, kann nachfolgend in monatlichen Auswertungen eingesehen werden.