EES: Flexibilität sichern, Automatisierung beschleunigen
Seit April 2026 ist das Entry/Exit-System an den Außengrenzen des Schengen-Raums vollständig in Betrieb. Das Ziel ist richtig: Ein- und Ausreisen von Drittstaatsangehörigen sollen digital erfasst und die europäischen Außengrenzen sicherer werden. Langfristig bietet das EES auch die Chance, Grenzkontrollen schneller und stärker automatisiert durchzuführen. Bis dahin ist es allerdings noch ein weiter Weg. Gerade an großen internationalen Drehkreuzen führt das System bei hohem Passagieraufkommen weiterhin zu erheblichen Belastungen.
Am Flughafen Frankfurt wurde das EES früh und umfassend umgesetzt. Dennoch erreichten die Wartezeiten an den Grenzkontrollen in Spitzenzeiten zwei Stunden und mehr. Die Folgen für den internationalen Umsteigeverkehr sind erheblich und besonders für unsere Passagiere unangenehm: Langstreckenabflüge verzögern sich, Reisende verpassen Anschlussflüge, operative Kosten steigen und Terminalkapazitäten geraten unter Druck.
Flughäfen und Airlines haben erhebliche Ressourcen eingesetzt, zusätzliche Self-Service-Systeme bereitgestellt, Personal für die Passagiersteuerung eingesetzt und ihre Abläufe angepasst. Diese Maßnahmen können die Auswirkungen der strukturellen Probleme des EES jedoch lediglich lindern. Die Ursachen lassen sich damit nicht beheben: Die biometrische Erfassung ist weiterhin mit hohem manuellem Aufwand verbunden, automatisierte Kontrollmöglichkeiten sind nur eingeschränkt nutzbar und IT-Störungen erschweren den Betrieb zusätzlich. Weitere Entlastung bringen könnten eine am Verkehrsaufkommen und an saisonalen Spitzen ausgerichtete personelle Besetzung der Grenzkontrollschalter durch die Bundespolizei, erweiterte Nutzungsmöglichkeiten von EasyPASS, die weitere Stabilisierung technischer Systeme und die geplante Einführung der "Travel to Europe"-App.
Bis diese Verbesserungen greifen, muss der Flughafenbetrieb auch unter hoher Belastung verlässlich funktionieren. Die europarechtlich vorgesehenen Entlastungsmöglichkeiten bei der biometrischen Erfassung haben in den vergangenen Monaten wesentlich dazu beigetragen. Solange die Voraussetzungen für einen stabilen Regelbetrieb fehlen, müssen vergleichbare Maßnahmen auch über den 31. Dezember 2026 hinaus möglich bleiben. Es gilt, flexible Entlastungsmaßnahmen zur zeitweisen Entlastung der Ein- und Ausreiseprozesse zu sichern, die klar geregelt sind. Die entsprechende Analyse und Entscheidung müssen bei einer kritischen Lage schnell und ohne zusätzliche administrative Verzögerung vor Ort getroffen werden können. In außergewöhnlichen Überlastungssituationen sollte dazu auch eine vorübergehende Aussetzung des EES gehören. Auf Dauer kann operative Flexibilität die notwendige Modernisierung der Grenzkontrollen allerdings nicht ersetzen. Entscheidend ist, dass die Automatisierung 2027 spürbar vorankommt. Eine wichtige Rolle spielen dabei die bereits erwähnte„Travel to Europe“-App und Digital Travel Credentials. Sie könnten es Reisenden ermöglichen, einen größeren Teil ihrer Daten bereits vor der Ankunft an der Grenzkontrolle digital bereitzustellen und so die Abfertigung vor Ort zu entlasten.
Unsere Fraport-Flughäfen stehen bereit, ihren Beitrag zu leisten. Wir werden weiter in Kontrollinfrastruktur, Passagierführung, Steuerungspersonal und Information investieren. Auch die bewährte enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Bundespolizeibehörden und unseren Systempartnern setzen wir fort. Wir werden weiter in Kontrollinfrastruktur, Passagierführung, Steuerungspersonal und Information investieren. Auch die bewährte enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Bundespolizeibehörden und unseren Systempartnern wollen wir fortsetzen.
Gefragt ist dabei ein gemeinsames europäisches Vorgehen. Mitgliedstaaten, Grenzbehörden, Flughäfen, Airlines und Europäische Kommission müssen zusammenarbeiten, um technische Schnittstellen zu verbessern, Kontrollprozesse zu beschleunigen und einheitliche Rahmenbedingungen zu schaffen. Gerade bei den Entlastungsmaßnahmen gilt es, unterschiedliche nationale Regelungen und mögliche Wettbewerbsverzerrungen zwischen europäischen Flughäfen zu vermeiden.
Denn auch im internationalen Wettbewerb spielen leistungsfähige Grenzkontrollen eine wichtige Rolle. Während Drehkreuze außerhalb Europas zunehmend auf automatisierte Verfahren setzen, können lange Wartezeiten für europäische Hubs zu einem Standortnachteil werden. Umso wichtiger ist es, die notwendige Flexibilität in der Übergangsphase zu erhalten und gleichzeitig die Automatisierung der Grenzkontrollen konsequent voranzutreiben.