Öfter lange Wartezeiten im laufenden Betrieb
Seit Beginn der aktuellen Einführungsphase des EES Anfang März haben sich die Abläufe an den Grenzkontrollstellen spürbar verkompliziert. In Frankfurt kommt es regelmäßig zu erheblichen Wartezeiten, in der Spitze von über 100 Minuten. Insgesamt wurden bereits zahlreiche Fälle mit Wartezeiten von über 30 Minuten registriert. Die Folgen sind konkret und gravierend: Passagiere verpassen ihre Anschlussflüge, Gepäck muss kurzfristig wieder ausgeladen werden, und operative Abläufe geraten zunehmend aus dem Takt. Damit entstehen nicht nur unmittelbare Belastungen für Reisende, sondern auch erhebliche Ineffizienzen im Gesamtsystem Luftverkehr.
Alle beteiligten Akteure, von der Bundespolizei über den Flughafenbetreiber bis hin zu den Airlines, arbeiten eng, professionell und mit erheblichem personellen und technischen Mehraufwand zusammen, um die Prozesse zu stabilisieren. Dennoch zeigt sich klar, dass das System unter realen Verkehrsbedingungen aktuell nicht leistungsfähig genug ist. Die Prozesszeiten haben sich im Durchschnitt etwa verdoppelt. Die derzeitige Ausgestaltung des EES kann den Anforderungen eines hochfrequentierten internationalen Drehkreuzes aktuell nicht gerecht werden.
Europäische Schieflage verstärkt die Probleme
Zusätzlich verschärft wird die Situation durch eine uneinheitliche Umsetzung im europäischen Vergleich. Während in Frankfurt eine nahezu vollständige EES-Erfassung erfolgt, liegt das Niveau in anderen großen europäischen Luftverkehrsdrehkreuzen deutlich darunter. Diese Schieflage führt dazu, dass sich zusätzliche Belastungen auf deutsche Standorte verlagern und Wettbewerbsnachteile entstehen. Ein national isolierter Weiterbetrieb bei gleichzeitig reduzierter Anwendung in anderen Mitgliedstaaten ist weder sachgerecht noch im europäischen Sinne tragfähig.
Mit Blick auf die bevorstehenden Osterferien und die Sommersaison ist die Lage besonders angespannt. Bereits heute operieren die Prozesse an der Belastungsgrenze. Ohne kurzfristige Anpassungen drohen weitere Eskalationen im Betrieb, die nicht nur die Pünktlichkeit und Stabilität der Abläufe gefährden, sondern auch Auswirkungen auf die Sicherheit und Ordnung in den Terminals haben können.
Politik muss jetzt nachsteuern
Nur wenn jetzt zügig gehandelt wird, lässt sich verhindern, dass die berechtigten sicherheitspolitischen Ziele des EES in der praktischen Umsetzung zu Lasten eines funktionierenden Luftverkehrssystems gehen.


